Merck-Stadion am Böllenfalltor

Das Merck-Stadion am Böllenfalltor im Sommer 2017                                                                         (Foto: kicker.de)


Die Geschichte des Stadions beginnt mit der Fusion der beiden Darmstädter Vereine FK Olympia und dem SC 05 im Jahr 1919. Erstmals wurde der Wunsch zur Schaffung einer eigenen großen Sportanlage geäußert. Dieses Anliegen ging zwei Jahre später in Erfüllung, als das 8000 Zuschauer fassende Stadion, das unmittelbar an das Hochschulstadion angrenzt, 1921 mit einer Festwoche eröffnet wurde. Das Eröffnungs-spiel am 30. Juli des Jahres gewann der SV 98 gegen den Südwest-Meister Freiburger FC mit 4:1.

 

Das Böllenfalltor hat seinen Namen nach den Pappeln, südhessisch „Bellen“ oder „Böllen“, die zu Zeiten des landgräflichen Darmstadt an dieser Stelle wuchsen. Falltore waren Lattentore, die als Zugänge zum eingezäunten Darmstädter Wald dienten. Damit sollte das Entweichen des Wildes verhindert werden. Noch heute schmücken eine Vielzahl von Pappeln den Nordrand des Stadions. Diese dürfen auf Anordnung der Stadtverordnetenversammlung von 1920 nicht gefällt werden, da der Verein die Patenschaft für die Bäume übernahm.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die amerikanischen Truppen das Stadion und nutzten es als Baseball-Platz. Erst 1950 konnte der Verein seine Spiele wieder am Böllenfalltor austragen. In der Oberliga spielend, der zu dieser Zeit höchsten Spielklasse, stellte man fest, dass das Stadion den aktuellen Bedingungen angepasst werden musste. Zwischen 1950 und 1952 fanden daher unter der Leitung von Peter Grund diverse Umbaumaßnahmen statt. Aus Kriegsschutt wurden neue Zuschauerränge erbaut. Bei der Einweihung im Jahr 1952 konnten schließlich 25.000 Zuschauer Platz finden. Das Eröffnungsspiel im umgebauten Stadion bestritt der SV 98 gegen Admira Wien.

 

1975 wurde die alte Sitztribüne abgerissen und durch eine modernere Konstruktion ersetzt. Diese existiert noch heute und kann etwa 4000 Zuschauer aufnehmen.

 

In den Jahren der Erstklassigkeit der Lilien sorgten Auflagen des Deutschen Fußball-Bundes dafür, dass das Stadion 1978 auf eine Kapazität von 30.000 Plätzen erweitert wurde und 1981 eine Flutlichtanlage installiert werden musste. Diese Investitionen hatten einen finanziellen Zusammenbruch zur Folge, von dem sich der Verein lange Zeit nicht erholte. Daher wurde das Stadion in den Folgejahren an die Stadt Darmstadt verkauft.

 

Als Folge der immer maroder werdenden Bausubstanz – die Stehplatztribünen wurden auf Kriegsschutt errichtet – hat das Stadion aktuell nur noch eine Kapazität von 17.468 Zuschauern, davon 6.312 überdachte Sitzplätze auf der Haupt- und Nordtribüne, 400 unüberdachte Sitzplätze im Gästeblock (Gegengerade), 3698 überdachte Stehplätze auf der Südtribüne und 7.058 unüberdachte Stehplätze auf der Gegengerade.

 

Nach dem Aufstieg des SV 98 in die 3. Liga zur Saison 2011/12 rückte das Stadion wieder verstärkt in das Blickfeld der Stadt Darmstadt. Als erste Maßnahme zur sicherheitstechnischen und wirtschaftlichen Modernisierung beschloss der Magistrat der Stadt die Aufrüstung der Flutlichtanlage von 400 auf 800 Lux. Hintergrund waren Auflagen des DFB für Fernsehübertragungen bei Flutlicht.

 

Im Sommer 2014 führte die im März von der Stadt Darmstadt gegründete Darmstädter Sportstätten GmbH & Co. KG eine erste Modernisierungsmaßnahme mit einer Investitionssumme von 2,2 Mio. Euro im Stadion zur Erfüllung der Auflagen für einen geordneten Spielbetrieb nach den Statuten der DFL durch. Ab der Saison 2015/16 wären diese Umbaumaßnahmen ohnehin auch in der 3. Fußball-Liga verpflichtende Auflagen geworden. Nach der Untersuchung des Spielfeldes durch den Kampfmittelräumdienst wurde eine Vergrößerung des Spielfeldes und der Einbau einer Rasenheizung durchgeführt. Zusätzlich wurde mehr Platz für die Fernsehtechnik und für Rettungswege zur Umfahrung des Stadions geschaffen. Des Weiteren wurden die nur unzureichend vorhandenen sanitären Anlagen modernisiert und erweitert und mehr Plätze für Rollstuhlfahrer eingerichtet. Durch die Umbaumaßnahmen reduzierte sich das Fassungsvermögen auf 16.500 Zuschauer.

 

Seit der Partie gegen 1860 München am 15. Februar 2015 verfügt das Stadion über eine moderne 30 Quadratmeter große LED-Videowand, auf der erstmals auch Wiederholungen von Spielszenen gezeigt werden können. Die 100.000 Euro teure Anzeige wurde vom Stadionsponsor Merck finanziert und soll auch im neu gebauten Stadion eingesetzt werden.

 

Mit dem Aufstieg des SV 98 in die Bundesliga zur Saison 2015/16 wurden weitere kleine Nachbesserungen am Stadion nötig: Der Platz für Medienvertreter wurde auf 54 zusätzliche Presse-Sitze erweitert. Zudem ließ die DFL die Torlinientechnik Hawk Eye installieren.

 

Durch die Erweiterungen von zwei mobilen Stahlrohrtribünen im Herbst 2016 in der Nord- und Süd-Kurve erhöhte sich die Kapazität auf 17.468 Plätze. Die überdachte Südtribüne ist für 3.698 Stehplätze ausgelegt. Auf der Nordtribüne sind 2.812 überdachte Sitzplätze entstanden.

 

Ein Umbau im Bestand ist laut Stadt Darmstadt von einer bestehenden Baugenehmigung gedeckt. Daher soll dieser während des laufenden Spielbetriebs stattfinden. Vorgesehen sind mindestens 8.000 Sitzplätze bei einer Gesamtkapazität von 19.000 Zuschauern. Der Baubeginn ist voraussichtlich im Sommer 2018. Ein Termin für die Fertigstellung ist noch nicht absehbar. Die Baukosten sollen unter den bisher veranschlagten Kosten für einen Neubau von 33 Mio. Euro liegen.

 

Im Rahmen eines Namenssponsorings in Höhe von 300.000 Euro pro Jahr durch das Darmstädter Chemie- und Pharma-Unternehmen Merck KGaA trug das Stadion ab Juli 2014 den Namen Merck-Stadion am Böllenfalltor. Die Vereinbarung zwischen Merck und der Stadt Darmstadt als Eigentümerin des Stadions ist auf fünf Jahre festgeschrieben. Für die Bundesligasaison 2016/17 wurde das Stadion in Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor umbenannt. Der Sponsor Merck verzichtete für diese Zeit auf sein Namensrecht, um den 2016 verstorbenen Jonathan Heimes zu würdigen. Seit der Saison 2017/18 trägt die Südtribüne des Stadions bis 2020 den Namen „Jonathan-Heimes-Tribüne“.